Learning Towards Solidarity-based Food Systems (Grundtvigprojekt 2013 - 2015)

Learning Towards Solidarity-based Food Systems

Momentan (2013 – 2015) beteiligt sich das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft an einem zweiten Grundtvigprojekt mit dem Titel „Learning Towards Solidarity-based Food Systems“ (hier werden im Laufe des Projekts die entsprechenden Erfahrungsberichte zu lesen sein). Initiatorin war dieses Mal die in Prag ansässige Organisation Pro-Bio Liga.

Ebenfalls beteiligt an diesem Projekt sind Partnerorganisationen in Ungarn, Tschechien, Schweden, Italien, Polen und Kroatien. Ziel dieses Projektes ist es, die Verbreitung der SoLawi/CSA europaweit voranzutreiben, indem sogenannte Multiplikator*innen für die Begleitung und moralische wie fachliche Unterstützung neu entstehender Projekte im eigenen Land geschult werden. Zu dieser Schulung gehören selbstverständlich das Wissen um und die Auseinandersetzung mit den diversen CSA-Ansätzen in anderen europäischen Ländern.

Erfahrungsberichte Learning Towards Solidarity-based Food Systems

Bericht vom Grundtvig-Treffen in Ungarn, 22.-25.5.2014 von Sara


Mittwochabend, 21.5.14 Proviant kaufen und feststellen, daß der Zug Verspätung hat. Steige in Kassel zu, Annika fährt schon eine Weile. Durch die Verspätung schrumpft die Umsteigezeit gegen Null, aber der Nachtzug wartet.
In einer winzigen Schlafkabine (sieht ein bißchen aus wie die menschlichen Akkuzellen bei Matrix),  geht’s nach Budapest.
Bei bestem Wetter nutzen wir die noch verbleibende Zeit bis zum Treffen mit den anderen Teilnehmern für einen Besuch in einer der Thermen. Ein altes, prunkvolles quietschgelbes Gebäude mit vielen kleinen Pools in allen möglichen Temperaturen und mit verschiedensten Gerüchen, von schwefelig bis fast neutral, außerdem verschiedene Saunas und Außenbecken mit voll belagerten Schachbrettern im Wasser. Sehr nett!
Zu Fuß durchs sonnige Budapest zum Treffpunkt am Bahnhof. Seit geraumer Zeit sorge ich mich darum ob ich das überhaupt schaffe, ein ganzes Wochenende nur Englisch sprechen und hören. With only my poor school-english vocabulary. Mal sehen. Meet the other participants. Italians, Swedes, Kroatians, the Hungarian Gastgeberin. Polish and Czech Teilnehmer werden am nächsten Morgen anreisen. We take the train ins Dörfchen Vac, wo unsere Unterkunft mit Seminarraum ist.
Abends dinner in einem hungarian restaurant, not einfach für Veganer und Vegetarier, aber machbar.  
Eine erste Gelegenheit to get to know the others.
Am nächsten Tag, Freitag, fangen wir nach dem breakfast mit einer Vorstellungsrunde an. Really interesting, urban gardening, CSA, Einkaufsgemeinschaften, some have Fotos mitgebracht. It takes a lot of concentration, but is not as hard to follow in englisch as ich dachte. Jemand fragt was demeter ist (Annika arbeitet auf einem Demetergärtnerhof). Difficult to explain, zumindest wenn man sich vorher über die dazu nötigen Worte keine Gedanken gemacht hat. Geht aber somehow.
Schade, die Vorstellungsrunde could have been longer, es scheint, das alle gerne more time for explaining, asking and listening gehabt hätten. But this personal exchange goes on during the whole days, während breakfast, Mittagessen, dinner, all the time. Great!
Then we hear about two Hungarian projekts. Both mehr consumers buying groups als Solawi. By the way, der Titel des Austausches ist “Learning towards solidary based food systems”. Also nicht nur Solawi, but more or less similar to the CSA concept. Which is, as we recognize during these days, ein bißchen anders in every country (interesting, but nicht wirklich erstaunlich, weil ja schon die einzelnen Höfe in Deutschland zum Teil sehr verschieden sind). After Mittagessen we test different working methods, „thinking for change“  and „why why why“ for Problemlösungsfindung in kleinen working groups. A good  possibility to learn more about the other persons projects. Again, like with the demeter thing, not easy to put all thoughts into english. But that’s ok, as everyone has, auf verschiendene Art, the same problem and everyone helps each other, with solving CSA related Problems and with the language as well.
Abends wieder zum Bahnhof to go to Budapest for dinner. Wir besuchen Szatyorbolt, a regional food store, where we have a really tasty dinner, much time to talk and some wine with lavender syrup.

The next day we take a ferry over the Donau and go to visit two CSA farms. On the first one we do some work together with the farmer, Fenchel hacken und jäten. Während this, beim Rundgang über die Flächen und during lunch the farmer tells about his CSA. Lots of the hungarian CSAfarms are inspired by the visit of some AMAP people (french CSA) some years ago. Makes me neugierig to get to know some french AMAPs. But I'm getting just as curious about the other countries CSAs as well.
The second farm we visite is much smaller (1 ha, the other one has about 5 ha), more like a garden than a field and really paradiselike. A place where you can directly feel like home. After having some self made pizza with the neighbours goatcheese and fresh spinach, and after listening to a spontaneously (during the ride from the one to the other farm) invented vegetable and birthday song, the gardeners guide us through the garden.
Beeing luckily in the folie tunnel, it starts to rain. The rain becomes more heavy. Turning into hail. Salads are damaged, a lot of vegetable leafs have holes from the hailcorns, and the gardeners are looking as damaged as the plants. Fotunately there are also a lot of plants that survive the weather.
After the sun comes out again, we help to peel sweet peas. A very communicative work. I am really impressed by the old lady, living alone in the house in the garden (but most of the work is of course done by the gardeners and by the old ladys daughter). She is 81, interested in everything, speaks very good english and I guess she's most of all the good soul of this place.
In the evening we have pizza again, this time at a sports bar (it’s champions league, but don’t ask me who is playing).
I'm afraid the next day is already the day of depature. We have a short final talking round. Everyone  has to find three Schlagworte to describe the days we spend together. To energize, diversity and Blaha (a metro stations name, the groups funny word, don't ask).
Of course we decide to keep in touch to each other, with the help of a blog. I took a lot of pictures that I will share, we want to exchange links to our projects, whatever,....
Some of us still have some time, we go to the Szimpla, a ruin pub (in an leerstehend house) where at this day a farmers market happens to take place, we visit an urban garden project and have another delicious meal in Budapest.
Than into the train cell again, back to rainy germany.

It was not half as difficult as I imagined that it would be, to get along with my dust covered school english. It was even fun as you may have noticed. :-)  
What a great time with great people, great places, war einfach richtig schön, inspirierend, spannend, energiegebend. Auch anstrengend und nun habe ich erstmal viel zu verdauen, einen Riesenhaufen Fotos zu bearbeiten und einiges an Schlaf nachzuholen.

So, sleep well, take care and see you!
Sara

'Learning towards solidarity based Foodsystems',
Experience – Sharing Workshop in Prag, Tschechien, 12. - 15. Juni 2014

von Lisa und Katharina

Mitte Juni diesen Jahres fand in Prag und Umgebung der zweite Workshop des Grundtvig Projektes statt. Jeweils 2 – 4 Teilnehmende aus Ungarn, Italien, Kroatien, Schweden, Polen, Deutschland reisten nach Prag um sich drei Tage lang über solidarische Landwirtschaft und weitere Konzepten auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und über Zusammenarbeit auf europäischer Ebene zu beraten.

Die Gastgeber*innen aus Tschechien hatten ein vielfältiges Programm vorbereitet, dabei wurde immer wieder Raum geschaffen für den persönlichen Austausch und es gab die Möglichkeit gegenseitig von unseren Erfahrungen zu lernen. Nach dem Besuch eines Gemeinschaftsgartenprojektes am ersten Tag, stand am Freitag ein Mitarbeitstag in der CSA 'Kompot' in der Nähe von Prag auf dem Programm. Dort gab es die Möglichkeit an der wöchentlichen Ernte für die ca. 40 Mitglieder teilzunehmen, sowie in Austausch mit Mitgliedern zu treten und etwas über die Bienenhaltung in dieser CSA zu erfahren. Hauptthemen an diesem Tag waren die Organisation, Kommunikation unter den Mitgliedern, Finanzierung einer CSA und Mitarbeitsformen von Mitgliedern.

Die CSA Kompot besteht seit 2012 und ist gemeinsam von Mitgliedern und Gärtner*innen initiiert worden. Freitagabend und Samstag haben wir in einem Ökozentrum nicht weit von Prag verbracht. Dort wurde gemeinsam gekocht u.a Gnoccis, am Feuer gesessen, ein Open Space veranstaltet. Dabei haben wir uns in vielfältigster Form ausgetauscht und inspiriert.

Obwohl die Lebenssituationen und Erfahrungen mit CSA in allen Ländern sehr unterschiedlich sind, gab es viele Gemeinsamkeiten, mit denen wir uns beschäftigt haben. Ein großes Thema in der Gruppe, waren niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft und inwieweit solidarische Landwirtschaft oder andere „solidarity – based – foodsystems“ Chancen bieten diese zu verbessern. Das Potential wurde von den Teilnehmenden aus den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich eingeschätzt – was vermutlich auch mit den bisher gemachten eigenen Erfahrungen in Zusammenhang steht! (in Kroatien z.B. verdienen die Menschen, die den Buyersclub organisieren und Gemüse anbauen ihr Geld mit einem Job, dem sie im Winter nachgehen, bei der CSA „Kompot“bei Prag verdienen die Gärtner*innen ein drei mal höheres Gehalt als in der Branche normalerweise üblich ist, weil es darüber unter den Mitgliedern eine bewusste Auseinandersetzung gibt)

In Italien und Kroatien finden Konsumenten – Produzenten Verknüpfung durch eine Art Foodcoop/ Buyers Club Anwendung, sie sind in sogenannten GAPs organisiert.Aber es besteht auch dort der Wunsch ganz nach CSA-Prinzipien zu arbeiten. Doch es gibt noch große Hürden: der Wunsch (oder auch die Notwendigkeit) möglichst billige Nahrungsmittel zu bekommen, großes Stadt-Land Unterschiede (Wissen über Saisionalität, hohe Anspruchshaltung den Produkten gegenüber, sowie wenig Wertschätzung den Produzent*innen gegenüber) und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Produzent*innen und Konsument*innen, sowie allgemeine Unwissenheit über Anbauverfahren und Lebensmittelanbau. All diese Themen wurden auch als Schwierigkeit von den Ländern benannt, in denen es bereits CSA-Höfe gibt. In Ungarn gibt es ca. 10, in Schweden ca. 3, in Polen ca. 4, in Tschechien ca. 30 und in Deutschland ca. 50 Höfe, die eine Unterstützergemeinschaft haben und diese mit Lebensmitteln beliefern. Für alle waren eine unklare Rechtliche Lage ein Thema , sowie die Frage nach der Möglichkeit und Notwendigkeit der Beteiligung von Mitgliedern in der Organisation und bei der praktischen Arbeit auf dem Hof. Auch war immer wieder zu hören und zu spüren, dass die Wertschätzung der Menschen die Lebensmittel produzieren, also die Landwirt*innen, in der Gesellschaft als nicht sehr hoch, empfunden wird (Anspruchshaltung, Lohn, Absicherung im Alter, Krankheit, Ansehen des Berufes) und es bestand der allgemeine Wunsch und die Notwendigkeit nach einer Verbesserung dieser Situation.

Eine intensive Diskussion während des Open Space wurde um die Frage nach einer Definition von CSA geführt, es bestand das Bedürfnis die Besonderheiten von solidarischer Landwirtschaft in Abgrenzung zu Gemeinschaftsgärten herauszustellen.

Für die Teilnehmenden aus Polen, einem Land in dem erst seit kurzem wenige CSA – Projekte bestehen, war die Frage , wie ein erster Kontakt zu der unbekannten Spezies Landwirt*innen mit Menschen aus der Stadt entstehen kann, wichtig. Über die Chancen und die Notwendigkeit eines europäisches CSA-Netzwerkes wurde gesprochen, nur leider war zu diesem Zeitpunkt schon etwas die Luft raus und wir haben uns in einer heißen Diskussion über Länderübergreifende CSA-Modelle verloren, (z.B. Olivenanbau nach dem CSA-Modell) welche wir gerne fortsetzen würden.

Alles in allem war es ein sehr lebendiger, inspirierender und Horizont erweiternder Austausch. Wir haben viel gelacht und der Spaß kam nicht zu kurz!Hier sei auch noch mal auf die tolle und liebevolle gesamt Organisation des Learning towards solidarity based Foodsystems'-Projektes hingewiesen! Vielen Dank dafür!!!Wir sind sehr froh, das wir dabei sein durften und freuen uns schon auf das ein oder andere Wiedersehen!!!


Bericht | Grundtvig-Workshop | Pula/Kroatien | 17.-20.07.2014 |„Learning towards solidary-based food systems“

Samuel und Sara entsandt vom deutschen Projektpartner „Solidarische Landwirtschaft e.V.“

In Pula auf der schönen Halbinsel Istrien in Kroatien, fand vom 17.-20.07.2014 das zweite europäische Vernetzungs- und Austauschtreffen des Projektes „Learning towards solidary-based food systems“ statt das von der Europäischen Kommission durch das Förderprogramm Grundtvig – Erwachsenenbildung für lebenslanges Lernen gefördert wurde.Gastgeber war die kroatische Transitiontown-Intitiative in Pula und ein daran angeschlossenes lokales CSA-Projekt.

Teilgenommen haben ca. 20 engagierte Menschen aus Deutschland, Kroatien, Polen, Ungarn, Tschechien, Italien und Schweden.Angereist sind ich und Sara gemeinsam mit dem Nachtbus von München nach Pula (für große Menschen mit langen Beinen nicht zu empfehlen ;) Untergebracht waren wir in einem kleinen Hotel mit Ausblick auf die bunt beleuchteten Kräne des Hafens, auf die die Anwohner sehr stolz sind. ;)

Am Freitag den 17.07.2014 trafen nach und nach alle Projektpartner in einem Cafe in der kleinen romantischen Altstadt von Pula ein. Dort wurden schon erste Kontakte und Bekanntschaften geschlossen. Einige von den Angereisten kannten sich auch bereits schon von dem Workshop in Ungarn oder dem Vorgängerprojekt „CSA for Europe“. Danach wurden die Bekanntschaften in einer Pizzeria zum Abendtisch vertieft.

Am Samstag unternahmen wir eine Tagesexkursion zu zwei verschiedenen Höfen. Die erste Farm lag in der Küstengegend nähe der Stadt Pula, Auf knapp 8 ha Land werden dort von einem Ehepaar Heilpflanzen und Oliven angebaut aus denen Teemischungen, ätherische Öle, Olivenöl, Salben und Cremes hergestellt werden. Wir bekamen eine lange Führung über die Felder und konnten alles probieren. Der nette Herr erzählte uns die langjährige Entwicklungsgeschichte des Hofes und wie er dazu gekommen war sich auf lokale Heilpflanzen zu spezialisieren. Verkauft werden die Produkte auf regionalen Märkten, in Schulen und an Abnehmergruppen, den sogenannten „CSA-groups“ in drei verschiedenen Städten.

Unterwegs zum zweiten Hof machten wir Halt bei einem Straßenverkaufsstand der von regionalen Biobauern (von denen es in Istrien sehr wenige gibt) frische Produkte verkaufte und erwarben dort riesengroße Wassermelonen für den Nachtisch. Die leckerste Wassermelone die ich je gegessen habe. Das zweite landwirtschaftliche Projekt lag etwas weiter entfernt. Wir fuhren sehr lange durch abgelegene staubige Straßen vorbei an Olivenplantagen und wildem Dickicht in die Berge.

Auf einer Anhöhe mit Blick auf die wilde Natur und das weiter entfernte Meer erstreckte sich ein Paradiesgarten. Wir wurden von einer Familie herzlich aufgenommen. Unter einem ökologisch gebauten Haus mit einer großen überdachten Terasse bekamen wir ein mehrgängiges veganes Menü vom feinsten aufgetischt. Alles aus dem eigenen Garten. Wärend des Essens vertieften sich die Gespräche der Teilnehmenden und es wurde sich viel über die jeweiligen CSA-Initiativen und anderen interessanten Projekten aus den verschiedenen Ländern ausgetauscht. Danach bekamen wir eine Fürung über das Gelände. Auf 1,5 ha Garten wird Gemüse und Obst für 28 Familien angebaut. Diese kommen wöchentlich zum helfen und ernten und kaufen das Gemüse günstig vom Garten ab. Neben dem CSA-Betrieb wird gerade an mehreren Wohneinheiten gebaut. Verwendet werden nur regionale und recyclete Ressourcen und Baumaterialien. Entstehen soll ein Camping für VegetarierInnen und VeganerInnen, da für diese Zielgruppe es kaum Angebote in Istrien gibt und auf diese meist von der lokalen kulinarischen Küche keine Rücksicht genommen wird. Ausklingen ließen wir den Tag im Nationalpark auf der Halbinsel „Premantura“, dem südlichsten Punkt Istriens, bei einem wunderschönen Sonnenuntergang am Meer an der spielerisch gestalteten „Safari Bar“,

Am dritten Tag besichtigten wir den CSA-Garten der von unseren Gastgebern betrieben wird.Dabei handelt es sich um ein 1,5 ha großen Fläche umgeben von konventioneller Landwirtschaft am Rande der Stadt Pula. Angebaut wird hauptsächlich von zwei Menschen, die sich ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse selbst beigebracht haben. Versorgt werden ca 30-40 Haushalte. Die Beteiligung und gemeinschaftliche Partizipation der „Buyers“, wie dort die Abnehmergemeinschaften genannt werden ist leider sehr gering und häufig kommt es vor dass Menschen einfach während der Saison abspringen, da ihre Oma gerade einen reichlichen Garten hat. Geliefert wird in zwei verschiedene Städte einmal wöchentlich. Ebenso wird auf einem Markt verkauft. Leben können die Hobbygärtner nicht davon und finanzieren sich noch über weitere Jobs wie zb Websitegestaltung.

Die Zweite Farm die wir an diesem Tag besichtigten lag ca. 150km von Pula entfernt in den Bergen im Norden Istriens. Nach einer langen serpentinenreichen Fahrt dort angekommen, wurden wir mit Livemusik und einem leckerem Buffet mit selbstgemachten Spezialitäten begrüßt. Auf dem Hof liefen überall Schweine, Gänse, Hühner, Pferde, Katzen und Hunde frei herum. Wir bekamen eine Führung von der Frau die dieses Grundstück vor 4 Jahren erwarb und dort gemeinsam mit anderen alles neu baute. Es gab auch alte Rinderrassen. Das Herzstück des Projektes war der neugebaute Stall mit seiner intensiven Ziegenhaltung. In der Halle werden ca 90 Ziegen zur Produktion von Milch, Hartkäse, Ricottakäse und Joghurt gehalten. Täglich wird frisch gemolken und verarbeitet und einmal wöchentlich in vielen kleinen Plastikpackungen in die Abholstationen der „Buyers/Consuments“ der CSA in zwei verschiedenen Städten geliefert.

Beschwert wurde sich auch über die oft mangelnde Beteiligung der Buyers am Hof.

Bemerkenswert war der bewusste und offene Umgang mit dem Thema Tod und Schlachtungen, die mit der Produktion von Milchprodukten immer verbunden ist, da junge männliche Tiere sofort getötet werden müssen. Das Thema Schlachten hat einen hohen Stellenwert auf dem Hof und wird ausschliesslich persönlich von den Betreuern durchgeführt und von den Kunden hoch geschätzt. Das Fleisch wird ebenfalls in den Buyer-groups vermarktet. Nach einer Käseverköstigung ging es dann in den inhaltlichen Programmteil des Tages. In drei Gruppen und Thementischen aufgeteilt, beschäftigten sich die TeilnehmerInnen mit dem Leitthema „Challanges in CSAs“. Gearbeitet wurde mit der Methode Worldcafe.

Teilgenommen haben die TeilnehmerInnen des Grundtvig-Workshops und mehrere Menschen aus dem Umfeld des Milchbetriebes. Der Austausch war sehr interessant und gab sehr tiefen Einblick in die verschiedenseitigen Entwicklungen als auch Problematiken von CSAs in den verschiedenen Ländern. Aufgefallen ist mir hierbei vorallem, wie sehr weit entwickelt wir in Deutschland mit CSA-Betrieben sind. Vorallem mit Organisationsstrukturen und -modellen sind wir vielen Ländern weit voraus. Nachdem ich ein paar Beispiele von deutschen Solawis präsentiert und mit in das Worldcafe eingebracht habe, wollten alle mehr davon erfahren und wissen wie sich das bei uns in Deutschland entwickelt hat und wollten beraten werden, wie sie ihre Projekte so gestalten können, dass sie auch irgendwann funktionierende Solawis haben können. Was die Grenzen meiner Kapazitäten und Kompetenzen jedoch schnell überstieg.

Was mir auch sehr aufgefallen ist, ist wie unterschiedlich der Begriff „CSA“ definiert wird. In den meisten Ländern, auch in Kroatien, wird vorallem darunter das verstanden, was wir in Deutschland unter Foodcoop, Abokiste, Direktvermarktung, Gemeinschaftsgarten oder Gartenparzellenmieten kennen. Eine richtig funktionierende Versorgungsgemeinschaft indem alle gemeinsam Verantwortungen übernehmen, gemeinsam den Hof finanzieren und gestalten gab es sehr selten bei den Partnerländern.

Die Weise wie in Deutschland viele Solawis funktionieren ist für einige ein sehr weit entfernter utopischer Stern am Himmel den sie verzweifelt zu erreichen versuchen. Die meisten der Teilnehmenden werden auch auf den Grundtvig-Workshop in Berlin im September kommen um dort mehr „von den Deutschen zu lernen“. Hierbei sehe ich es als sehr sinnvoll an einen Schwerpunkt in die Erarbeitung von mehrsprachigen Bildungs- und Beratungsmaterialien zu setzen, in denen verschiedene mögliche Organisationsmodelle von Solawis einfach erklärt und grafisch dargestellt werden. Um mit diesen Materialien Projekte in anderen Ländern zu inspirieren und dabei zu unterstützen das auch bei sich umsetzen zu können und längerfristig das Beratungsangebot auch auf andere Länder auszudehnen.

Es war auch sehr interessant die verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Hintergründe zu erfahren die es zb erschweren in den jeweiligen Ländern motivierte Menschen zu finden oder Solawis erfolgreich umzusetzen. Zb ist die Kultur von biologischer Landwirtschaft, Ernährungsbewusstsein oder nachhaltigem Lebensstilen in den meisten Ländern viel weniger ausgeprägt als zb in Deutschland und haben somit oft eine ganz andere Ausgangssituation als bei uns. Dies erschwert es natürlich auch Modelle „von hier“ einfach in andere Länder zu transferieren, sondern muss mit lokalen Akteuren gemeinsam erarbeitet und angepasst werden.

Ein solcher gegenseitiger Erfahrungsaustausch und Beratung könnte eine wichtige Säule für ein zukünftiges europäisches und internationales Netzwerk sein. Am letzten Tag trafen wir nochmal kurz zusammen um uns über die Ergebnisse des Worldcafes des vorigen Tages auszutauschen. Es gab auch eine Feedbackrunde und es wurden Evaluierungsbögen verteilt. Gemeinsam wurden die intensiven aber schönen gemeinsamen Tage am Strand in Pula ausgeklungen, bevor es wieder mit dem Nachtbus in das kalte regnerische Deutschland zurückging.

Eine super bereichernde und inspirierende Erfahrung die ich jede/m nur empfehlen kann und die ich sehr gerne wiederholen will. Vielen Dank an alle die dies ermöglicht haben !

Italien war Anfang Oktober das Gastgeberland der 4. Reise im Rahmen des EU-Grundtvig- Programms bei dem das Netzwerk Projektpartner für Deutschland ist. Dabei waren diesmal TeilnehmerInnen aus Polen, Schweden, Ungarn und Tschechien. Für Italien haben Mitglieder von G.A.S. Gruppen ein dreitägiges Programm in und um Mailand organisiert.

G.A.S., Groupo aquisto solidale heißt übersetzt in etwa „solidarische Einkaufsgemeinschaft“. GAS Gruppen beziehen Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs direkt beim Erzeuger. Oft haben sich langjährige feste Beziehungen zu den Produzenten entwickelt, manche produzieren nur für GAS.Gruppen. Die Preise werden von den Erzeugern vorgegeben und die Gruppen organisieren Sammelbestellungen per online-Listen. Meist hat jedes Mitglied eine Funktion inne, wie z.B. zuständig für die Bestellung und Kommunikation mit einem Produzenten zu sein. Motivation ist der Wunsch biologische und qualitativ hochwertige Produkte zu beziehen. Zum Teil werden auch Erzeuger integriert, die sonst zu klein oder speziell sind um auf dem üblichen Markt bestehen zu können. Die Identifikation mit einer bestimmten GAS-Gruppe ist oft sehr hoch, da sie sich auch zu gemeinsamen Essen und anderen sozialen Aktivitäten treffen.

Diese Art der Zusammenarbeit hat auch zu einem größeren Projekt mit Landwirten, Mühlen und Bäckereien rund um Mailand zur Erhaltung alter Getreidesorten geführt. Das Brot wird an die GAS-Gruppen verkauft.

Die Übersicht bei teilweise über 100 Mitgliedern und unzähligen Erzeugern einer GAS Gruppe zu behalten bedarf einer ziemlich guten Organisation. Um diese zu vereinfachen hat ein Mitglied eine Open-Source Software programmiert. ContaGAS. ContaGas ist ein Administrations-System für Einkaufsgemeinschaften, das dabei hilft Guthaben, Lieferanten und Ausgaben der Mitglieder im Blick zu behalten. Es ist auf https://github.com/barvaz/contagas herunterzuladen. Übersetzungen für andere Sprachen und Weiterentwicklungen sind gerne gesehen. Vielleicht lässt es sich ja auch für deutsche Einkaufsgemeinschaften nutzen.

Nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft, wie wir es aus Deutschland kennen, beginnen gerade erst einzelne Projekte in Italien.

Unsere Gastgeber freuen sich auf Ostern.

Am Freitag besuchten wir den Hof Bagaggera der ca. 35km vor Mailand liegt. Neben Ziegen, Schweinen und Hühnern hat der Hof eine eigene Käserei, Hofladen und Bäckerei, in der sozial benachteiligte Jugendliche backen und kochen lernen.

Während der öffentlichen Konferenz am Samstag war besonders eindrücklich der Vortrag über das Projekt SOS Rosarno (www.sosrosarno.org), über das auch schon im Greenpeace Magazin 6.14 berichtet wurde. In Süditalien setzt sich Nico Quaranta für faire Löhne und Arbeitsbedingungen der überwiegend aus Migrant_innen bestehenden Arbeiter ein. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, da in Südeuropa häufig zu Hungerlöhnen auf Plantagen gearbeitet wird. SOS Rosarno ist ein Versuch für eine humanere und ökologischere wirtschaftsweise. Die geernteten Früchte werden an GAS Gruppen im Norden Italiens verkauft. Ein hoffnungsvolles Projekt, das hoffentlich viele Landwirte in der Region inspiriert.

In einer anschließenden Workshop-Phase wurden Themen wie

CSA + Europäische Partnerschaften, CSA + partizipatorische Garantie-Systeme und Produkte aus anderen Ländern, CSA+ lokale Läden, CSA+ Non-Food- Produkte, CSA+ Umweltbildung u.a. in Schulen und CSA+ Tutorenschaft für Bauern diskutiert.

Zum Abschluss der Reise besuchten wir „Cascina Santa Brera“ (www.cascinasantabrera.it). Die Betreiber arbeiten ökologisch und mit Permakulturtechniken. Ökonomisch verbindet der Hof klassische Landwirtschaft mit Mitgliedermodellen und eigener Weiterverarbeitung. So werden erzeugte Lebensmittel wie üblich auf dem Markt oder an GAS Gruppen verkauft. Ein Feld ist zudem zur Selbsternte für Menschen aus der Stadt angelegt, vorbereitet und bewässert. Lebensmittel wie Getreide, die nicht genug Gewinn abwerfen werden im Hof weiterverarbeitet. So gibt es Pizza und Brot im eigenen Biorestaurant vom eigenen Feld. Die Kombination der Weiterverarbeitung und der Angebote ist auf dem ersten Blick, soweit wir alles richtig verstanden haben, unglaublich gut aufeinander abgestimmt. Hier findet sich die Permakultur auch im Geschäftsmodell des Hofes wieder und sorgt für ein stimmiges Gesamtbild.

Nach drei Tagen näherte sich unser Besuch dem Ende. Es war schön dabei gewesen zu sein und eine tolle Erfahrung mit vielen Impulsen. In 2015 werden noch weitere Reisen nach Schweden und Polen stattfinden.

Stephanie Wild und Andreas Bauermeister

Workshop vom 19.- 22. März 2015 in Warschau und dessen Umland

von Natalia und Jan

Die Reise nach Polen beginnt mit dem Kennenlernen eines netten polnischen Herren im Eurocity von Berlin nach Warschau. Nach ein wenig small talk darüber was wir und er so mit unseren Leben anstellen, macht er sich für den Katholizismus stark. Auch seine Kinder sagt er seien streng religiös und würden jeden Sonntag in die Kirche gehen auch wenn sie in den urbanen Metropolen von Polen studieren und arbeiten.

Damit deutete sich die erste Schwierigkeit der polnischen CSA-Bewegung an. Nämlich die Tatsache, dass vor allem alternative, progressive und zumeist linke Leute in den Städten die Bewegung tragen und sich mit den Bäuer*Innen auf dem Land vernetzen. Diese sind aber größtenteils, konservativ und zutiefst katholisch. Da wundert es nicht, dass ein Franziskaner-Mönch sich auf einer großen Biobauern-Tagung über Abtreibung und den Zerfall des Familiären (womöglich herbeigeführt durch nicht-heterosexuelle Menschen) empört und Abtreibungsgegner subtil ihre Messages in den Kommunikationskanälen der CSAs versuchen zu verbreiten.

Eine riesige Herausforderung diese Konflikte offen auszutragen, denn wer Stadt-Land-Verbindungen aufbauen möchte, so wurde uns gesagt, käme um „solche Menschen“ nicht herum. Dies ist aber auch eine Mahnung für unsere Bewegung auf dem rechten Auge nicht blind zu sein, sondern klar Stellung zu beziehen.

Letztlich bleibt auch die Erkenntnis, dass man es schon einfacher hat, wenn man mit Ökobäuer*Innen zusammenarbeiten kann die in den 70ern und 80ern aus genau diesen zumeist fortschrittlichen, urbanen Mileus kamen die heute ihre Produkte haben wollen.

Und sonst? Nach dem Ankommen ein köstliches veganes Essen und dann gleich wieder in den Bus und aufs Land, in das Dorf Dobrzyń nad Wisłą. Dort gab es am folgenden Vormittag eine Präsentation aller Teilnehmenden, die aus Polen, Ungarn, Österreich, Tschechien, Kroatien, Italien, Schweden und Deutschland kamen. Viele der Teilnehmenden steckten noch gar nicht konkret in Solidarischen Landwirtschaftsprojekten, nach dem deutschen Modell drin. Und so waren auch hier wieder viele Leute erstaunt und interessiert daran wie weitreichend solidarisch unser Modell in Freudenthal organisiert ist.

Was außerdem hängen blieb war eine spannende italienische Perspektive in der Erläutert wurde, wie Solidarische Landwirtschaft, illegalisierten Geflüchteten in Süditalien, die sonst unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen eine geregelte und besser bezahlte Anstellung ermöglichen.

Morgens waren zwei Kleingruppenphasen vorgesehen in denen wir zum einen Lösungsvorschläge für eine fiktives Problemszenario diskutierten und zum anderen über Knackpunkte und Schwierigkeiten in Projekten Solidarische Landwirtschaft diskutierten. Was hängen blieb war eine spannende Debatte darüber wie auch die Bedürfnisse der Nicht-Gärtner*Innen im Projekt befriedigt werden könnten die sich über die reine Mitgliedschaft für das Projekt engagieren. Fazit war hier das es Ziel wäre ein bedarfsorientierte Entlohnung mit in das Budget einzuplanen um auch Menschen ein Engagement zu ermöglichen, die sonst anderweitig Arbeiten gehen müssten.

In der zweiten Phase Stand die Frage in eine deutsch-österreichischen Minigruppe im Vordergrund, in wie weit CSA die kapitalistische Vergesellschaftung aufheben kann und welche Grenzen es hier gibt. Die Ergebnisse dazu werden bald in einem Artikel auf dem Keimform-Blog (http://keimform.de/author/jhc/) zu finden sein. Am Nachmittag und am Folgetag sprachen wir mit CSA-Gärtner*Innen zum einen auf dem eigenen Betrieb in Dobrzyn (wo wir in der Sonne quatschend für den Betrieb pikierten, Torfballen pressten und Aussaaten vornahmen) und zum anderen auf einer Biolandbau-Tagung. Wie sie schon auf anderen Reisen nach Osteuropa heraus stellte war auch in Polen die für uns ungewöhnlichste Frage wie denn die Konsument*Innen Vertrauen zur Bäuer*In aufbauen können oder überspitzt formuliert: Die Bäuer*In könnte ja auch einfach mit dem Geld stiften gehen. Dies sicherlich ein Hinweis auf die unterschiedlichen historischen Erfahrungen in den jeweiligen Ländern.

Nicht unerwähnt bleiben darf schlussendlich auch die rauschende Party am Samstag Abend. In einer kleinen Bar in einem besetzen Haus feierte eine der größten FoodCoops in Warschau ihren Jahresball, chique und mit leckeren Cocktails; und unsere ausgelassene und gut gelaunte Gruppe sorgt für skurril Tanzeinlage bis spät in die Nacht. Insgesamt also eine sehr motivierende Reise die einmal mehr beweist wie wichtig es für eine „Europa von unten“ ist das wir uns über Sprachgrenzen hinweg solidarisch aufeinander beziehen, voneinander lernen und praktisch unterstützen sollten.

Bericht vom Grundtvig-Treffen in Malmö/Schweden vom 21.05.-24.05. 2015

Die Anreise nach Malmö gestaltete sich etwas schwierig, da ich plante, mit der Bahn nach Malmö zu fahren. Die Bahn streikte. Der passende Fernbus war bereits ausgebucht und ein Flug war wegen der Kurzfristigkeit der Buchung unbezahlbar. Deshalb beschloss ich, mit dem eigenen Auto via Puttgarden/Rødby und Kopenhagen nach Malmö zu fahren.

Ankunft in Malmö

Die Unterkunft hieß Rut och Ragnars Vandrarhem, eine Unterkunft, die meinen Ansprüchen genügte. Ein Einzelzimmer, zwar mit Fernseher, aber ohne Nasszelle. Allerdings gab es insgesamt  zu wenige Toiletten und Duschen.

Donnerstag Abend: Treffen und Kennenlernen

Das erste Treffen fand in Sofielunds Folkets Hus statt. Es gab Teilnehmer aus sieben Nationen: Italien war mit fünf Teilnehmern am stärksten vertreten, gefolgt von je zwei Vertretern aus Polen und Ungarn. Kroatien, Tschechien und Deutschland waren mit je einem Vertreter vor Ort, das Gastgeberland Schweden mit drei, wobei sich zu den Schweden jeweils die Vertreter der einzelnen  Projekte gesellten.

Die Vertreter der einzelnen Länder stellten in kurzen Beiträgen die jeweilige Situation ihrer CSA-Bewegung dar, wobei Italien mit seinen GAS (Solidarische Einkaufsgruppen) sich eher an das französische AMAP-Modell anlehnt, während die übrigen Länder mehr das Ein-Hof-CSA-Modell pflegen.

Ein gelungenes Abendessen in Sofielunds Folkets Hus rundete den Tag ab.

Freitag Vormittag: Die Stadt Malmö und ihr kommunales Engagement

Uns wurde die jüngere Geschichte Malmös vorgestellt mit dem Niedergang der Kockums-Werft, der Demontage des Wahrzeichens – dem großen Kran –, der dann nach China verschifft wurde. Das Brachgelände der Werft stand nun dem Umbau Malmös zur nachhaltigen Stadt nicht mehr im Wege. 2001 wurde die ökologische Bauausstellung Bo01 auf dem Gebiet des Westhafens, einem ehemaligen Industriegebiet (u. a. Kockums-Werft) durchgeführt. Dort begann, orientiert an Nachhaltigkeitskriterien, der Neubau des Stadtviertels Västra Hamnen. Es wurde ein nachhaltig wirtschaftender und von der übrigen Energieversorgung unabhängiger Stadtteil aufgebaut. Die benötigte Energie wird vor Ort aus Wind- und Sonnenkraft erzeugt. Zusätzlich werden grosse Mengen Meerwasser zum Heizen und Kühlen bis zu 90 Meter tief ins Gestein gepumpt und dort gelagert. Abwässer und Abfälle werden zu Biogas verarbeitet, ins eigene Gasnetz eingespeist und in den rund 500 Gasbussen wieder eingesetzt. Auch die per Fernleitung zugeleitete Heizwärme wurde in den vergangenen Jahren von Öl auf Gas, bzw. Biogas umgestellt. In den kommenden Jahren soll das Viertel noch weiter ausgebaut werden und der CO2-Ausstoß bis 2012 gegenüber dem Wert von 2008 um weitere 25 % gesenkt werden.

In Malmö wird konsequent Mülltrennung durchgeführt. Jeder Haushalt ist gehalten, seinen Biomüll zu sammeln. Dieser wird dann in Biogas umgewandelt, das die Busflotte Malmös antreibt.

Malmö glänzt mit einer hervorragenden Fahrradinfrastruktur, die von den Bewohnern angenommen wird. Neben speziellen Fahrradstraßen, die Fahrradfahrer vom Autoverkehr trennen, ermöglichen Unterführungen das sichere Überqueren von Straßen, gewährleisten Fahrradampeln zügiges „Grün“. Weiterhin sind uns die begradigten Bordsteine sowie die über das gesamte Stadtgebiet verteilten fest installierten Luftpumpen positiv aufgefallen.

Urban Gardening in Malmö: Die Projekte dort sind sehr vielfältig in der Größe, Art und Lage. Sie dienen weniger zur Versorgung mit Nahrungsmitteln, sondern sind eher als soziale Projekte aufzufassen, die besonders in Stadtteilen mit sozialen Brennpunkten – wie etwa Rosengård – Gewalt und Vandalismus eindämmten und die soziale Kontaktaufnahme der Bewohner untereinander erleichterten.

Weiterhin stellt die Liegenschaftsverwaltung größere Flächen zur Verfügung, die einen kommerziellen Anbau von Gemüse in kleinerem Rahmen erlauben (Stadsbruk). Voraussetzung hierfür ist, dass der Anbauer sein Projekt als Gewerbe anmelden muss. Dadurch fallen leider Sozialhilfeempfänger als zu fördernde Zielgruppe heraus, da sie kein Gewerbe anmelden dürfen, ohne ihre Förderung zu verlieren. In Göteborg – so wurde uns mitgeteilt – wird mit kommunalen Flächen ähnlich verfahren.

Freitag Nachmittag:

CSA in Schweden

In einer Präsentation wurde uns die Entwicklung der schwedischen CSA-Bewegung vorgestellt. War zunächst über viele Jahre Ramsjö Gård nördlich von Uppsala der einzige CSA-Betrieb in Schweden, gibt es gegenwärtig acht Betriebe.

CSF Community Supported Fishery im Öresund

Durch Überfischung sind die Fischbestände im Kattegatt dramatisch zurückgegangen, so dass sich Fischfang dort sich im industriellen Maße nicht mehr lohnt. Der Öresund dagegen war davon nicht betroffen, da die Bestände sich nicht für industriellen Fischfang lohnten. Durch maßvolles Befischen im Rahmen der Kutterfischerei blieben die Bestände konstant. Die Kutterfischerei im Haupterwerb ist durch mangelnde Rentabilität bedroht. Aus dieser Tendenz heraus hat sich der Aufbau einer CSF entwickelt, bei der Konsumenten den Betrieb eines Fischkutters finanzieren und ihnen der gefangene Fisch zukommt. Wie auch bei CSA teilen sich die Betreiber Risiko und Verantwortung. Bei Sturm – kein Fisch.

Hemmaodlat – ein neues CSA-Projekt in Malmö, mit Aquaponics und Fischdung, dessen Besuch für Sonntag Vormittag auf dem Programm stand.

Fahrradtour zu einigen Urban Gardens und nach Stadsbruk/Rosengård

Auf dieser Fahrradtour lernten wir die Fahrradfreundlichkeit Malmös kennen und besuchten die am Vormittag vorgestellten Projekte von Urban Gardening und Stadsbruk, um die realen Verhältnisse  dort kennen zu lernen. Danach lernten wir noch ein Gewürzprojekt in Rosengård kennen und aßen schließlich in einem Restaurant, das ursprünglich auch als Rosengårder Sozialprojekt gestartet war, zu Abend.

Samstag: Ein Tag außer Haus

Für diesen Tag wurden wir gebeten, festes Schuhwerk und entsprechende Kleidung zu tragen, da wir die ganze Zeit im Freien verbringen würden. Ein Bus holte uns von Rut och Ragnar's ab und brachte uns nach Hardeberga, einem kleinen Ort außerhalb von Lund. Die dortige abgewickelte Dorfschule wird heute als Waldorfschule genutzt, in die interessierte Eltern aus Lund und Umgebung ihre Kinder schicken. Im Rahmen des Gartenbauunterrichts wurden einige Brachflächen zu Gemüsebeeten umgewidmet. Der Gartenbaulehrer ermutigte die Schuleltern sich an der Arbeit zu beteiligen und die Gartenflächen so zu vergrößern, dass sie zur Versorgung mit Gemüse dienen konnten. Zusätzlich kamen noch weitere Aktivisten hinzu und heute ist aus dem Gartenbauprojekt eine kleine CSA geworden, die noch Erweiterungspotential besitzt, da weitere Brachflächen zur Verfügung stehen und das Gelände zur Nutzung erweitert werden könnte.

Wir – die ausländischen Gäste und die Gäste aus Malmö, zusammen etwa 30 Personen – wurden gebeten ganz praktisch Jät- und Pflanzarbeiten vorzunehmen. Bei dieser Arbeit kam man gut ins Gespräch und konnte sich miteinander austauschen. Lunch gab es dann nach der Arbeit und auch hier gab es wieder Gelegenheit zu guten Gesprächen.

Danach ging die Reise mit dem Bus dann weiter nach Kristianstad, wo „Marcellos Farm“ gelegen ist. Marcel und seine Frau Inge kommen aus den Niederlanden, wo sie Bio-Gemüse für den Export anbauten und die Marke „Marcellos Farm“ entwickelten, die auch in Schweden bekannt wurde. Wegen der Unmöglichkeit in den Niederlanden, gleichzeitig Tiere zu halten und Gemüse anzubauen, suchten die beiden eine Alternative und fanden ihren heutigen Hof von 240 ha Größe außerhalb von Kristianstad. Er ist nicht besonders schön gelegen – einerseits ist der Lärm von der E 22 deutlich hörbar, andererseits ist das Fabrikgelände von Absolut Vodka mit seinen Edelstahlanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft sichtbar.

Marcel und Inge bewirtschaften den Hof allein mit Hilfe von Saisonarbeitskräften, wollen aber langfristig eine Betriebsgemeinschaft aufbauen, damit sie nicht ganz allein in der Verantwortung stehen.

Auf der gesamten Ackerfläche des Betriebes wird Demeter-Gemüse angebaut, welches dann vom Handel und den zwei großen Supermarktketten Schwedens, ICA und Konsum, abgenommen wird. Auf dem sandigen Boden dort ist lediglich ein Anbau von Kohl nicht möglich – mit Ausnahme von Brokkoli. Um den Betrieb mit Dünger zu versorgen, wird eine Mutterkuhherde gehalten. Würde die Betriebsgemeinschaft erweitert, könnte auch wieder eine Milchviehherde gehalten werden – Betriebsgebäude und -einrichtungen sind hierfür noch vorhanden, nur gegenwärtig ist dies arbeitsmäßig nicht zu schaffen.

Uns wurde zu Beginn das Betriebskonzept vorgestellt und danach machten wir einen Hofrundgang besonderer Art. Marcel und Inge sind überzeugte Biodynamiker und wir wurden aufgefordert, während des Rundgangs nicht zu sprechen, sondern mit unseren Wahrnehmungsorganen die ätherischen und astralen Qualitäten der einzelnen Wirtschaftsflächen und deren Bewohner – Pflanzen und Tiere –  aufzunehmen. Mein Eindruck war, dass einige unserer Gruppe nicht so recht mit der gestellten Aufgabe umgehen konnte, aber man hielt sich an die Regel, nicht zu sprechen.

Danach gab es dann Kaffee und Kuchen auf dem Rasen vor dem Wohnhaus und es konnte der Eindruck entstehen, dass die längere Zeit des Schweigen durch lebhaftes Reden kompensiert werden musste.

Inge berichtete uns dann, dass für sie die Gemüseproduktion zwar ökonomisch erfolgreich wäre, aber sie unbefriedigt ließe, weil durch die erzielten Preise dennoch nicht der Wert ihres Gemüses abgebildet würde.

Aus diesem Grund haben Inge und Marcel begonnen, eine CSA aufzubauen und versorgen bereits etwa 50 Haushalte mit Gemüse aus der eigenen Produktion. Den Betrieb vollständig auf CSA umzustellen, ist bei der Größe zunächst unvorstellbar, allerdings könnte er insoweit umstrukturiert werden, dass eine Milchproduktion und -verarbeitung aufgenommen wird und außerdem Brotgetreide angebaut wird.

Für Inge und Marcel ist das aus heutiger Sicht Zukunftsmusik, aber die Entwicklung des Betriebes ist durch die beiden vorprogrammiert.

Im Winter wollen Inge und Marcel dem Bauckhof einen Besuch abstatten, um sich ein Bild davon zu machen, wie eine Betriebsgemeinschaft funktioniert. Ich habe die beiden eingeladen, den Buschberghof und den Kattendorfer Hof zu besuchen. Dann haben sie die Gelegenheit zu sehen, wie zwei Höfe von Betriebsgemeinschaften geführt werden und Solidarische Landwirtschaft in größerem Maßstab betreiben.

Ein sehr schmackhaftes Abendessen war von einem Mitglied der dortigen CSA zubereitet worden und wurde uns dann aufgetischt. Danach traten wir die Heimreise mit dem Bus nach Malmö an.

Sonntag: Ein Rundgang durch Malmö mit seinen gärtnerischen Aktivitäten

Wir trafen uns vor der Jugendherberge, um uns von dort nach Seved zu begeben. Dieser Stadtteil Malmös war – wie auch Rosengård – ein sozial schwieriger Stadtteil, der durch Vandalismus und Drogenhandel geprägt wurde. An diesem Sonntag war davon nichts zu sehen, sondern man bekam einen guten Eindruck davon, wie die gärtnerischen Aktivitäten der Bewohner den Stadtteil positiv verändert haben. Auf vielen Freiflächen zwischen den einzelnen Wohnblocks wird inzwischen Gemüse angebaut. Es gibt Holzpavillions, die im Winter beheizt werden können und zu sozialen Treffpunkten der Gärtner geworden sind, um sich zu besprechen und die Arbeitsgeräte zu lagern. Auch entstand der Eindruck, es herrschte ein Wettbewerb, wer das schönste Beet hätte. Das ursprüngliche Stehlen von erntereifem Gemüse durch Kinder konnte dadurch abgestellt werden, indem man diesen Kindern auch Flächen zum Bewirtschaften zur Verfügung stellte.

Sehr eindrucksvoll war ein vertikaler Garten mit einer Höhe bis zu drei Metern an einer Hauswand mit kleinen Fächern, in denen Pflanzen wuchsen und die künstlich bewässert werden können. Leider sind die Dimensionen dieses vertikalen Gartens zu groß, als dass man gefahrlos die oberen Fächer kultivieren kann.

Die Aktivitäten der einzelnen Urban-Gardening-Projekte werden von einer Aktivistengruppe koordiniert, wobei für jedes neu begonnene Projekt eine zeitlich begrenzt öffentliche Förderung durch die Kommune beantragt werden kann. Diese hilft bei Beginn eines neuen Projekts, aber das ständige Kreativ-Sein-Müssen, um abermals ein neues Projekt ins Leben zu rufen, sei nach Aussage der Aktivisten schon sehr anstrengend.

Bei dem Rundgang durch Seved war sehr schön zu sehen, wie die gärtnerischen Aktivitäten der Bewohner das Bild des Stadtteils mit seinen Wohnblocks positiv veränderten. Diese positiven Eindrücke haben gewissermaßen Aufforderungscharakter an die Teile, in denen diesbezüglich noch nichts passiert ist.

An dieser Stelle brachen einige von uns den Rundgang ab, weil sie ihren Flug erreichen mussten und ich selbst noch eine längere Heimfahrt vor mir hatte. Auf die Frage von zwei italienischen Kolleginnen, ob ich sie in Malmö mit ihrem schweren Gepäck zum Bahnhof fahren könnte, fragte ich zurück, ob ihr Abflughafen Kopenhagen wäre. Sie bejahten und ich schlug vor, sie direkt zum Flughafen zu bringen, da dies auf dem Weg lag. So fuhren wir dann zu dritt über die Öresundbrücke, von der man eine eindrucksvolle Aussicht auf den Osten Dänemarks und den Südwesten Schwedens hat.

Nachdem ich sie in Kopenhagen-Kastrup abgesetzt hatte, fand ich nur ein Richtungsschild nach Malmö vor, wohin ich nicht wieder zurück wollte.

Auf diese Weise machte ich dann eine Irrfahrt durch Kopenhagen, die mich am Rathaus, am königlichen Schloss, am Hauptbahnhof und am Tivoli vorbei führte. Für Radfahrer ist Dänemarks Hauptstadt durch die speziell ausgelegte Verkehrsführung ein Paradies, für Autofahrer hingegen durch die unzureichende Beschilderung eher ein Alptraum. Der Sonnenstand half mir dann die Himmelsrichtungen zuzuordnen und den Weg aus der Stadt zu finden. Meine kleine private Stadtrundfahrt hat mich aber entschädigt.

Wolfgang Stränz

Nachruf auf CSA-Pionier Trauger Groh

Trauger Markus Groh – ein landwirtschaftlicher Adept (von Wolfgang Stränz)

* 3. Dezember 1932  † 27. Juli 2016

Das Wort Adept ist abgeleitet von dem lateinischen Begriff „adeptus“ und bezeichnet einen Menschen, der die höchsten Stufen der Erkenntnis und Fähigkeiten durch seine Bemühungen erreicht hat. In den Mysterienschulen der Antike, wurden als Adepten jene bezeichnet, die die Initiation bestanden hatten und dadurch in heiliges, geheimes Wissen eingeweiht waren.

Für Trauger Groh trifft diese Bezeichnung für seine Bemühungen zu, neue Wege in der Landwirtschaft finden, den Boden, die Pflanzen und die Tiere zu heilen und zu pflegen.

Er war ein bedeutender Lehrer für Tausende von Menschen, ein biologisch-dynamisch arbeitender Bauer, ein weltweit tätiger Redner und Berater in landwirtschaftlichen  Fragen und für die Anthroposophie. Seine Vorträge haben in nützlicher und dauerhafter Weise Menschen informiert und inspiriert

 Trauger Groh war schon früh mit den Impulsen von Koberwitz und namentlich mit der Bäuerlichen Gesellschaft Nordwestdeutschlands verbunden. Diese Verbindung fand Ausdruck in der über 50jährigen Beziehung zu Dr. Nicolaus Remer und seiner Frau Erika Remer, die sich über die Jahre hin immer mehr vertiefte.

 

Geboren wurde Trauger Markus Groh am 3. Dezember 1932 in Wien als vierter Sohn des Pfarrers Herman Groh und dessen Ehefrau der Eurhythmistin Lilli Groh geb. Klein. Die ersten Kindheitserlebnisse hatte er in Wien, wo sein Vater eine neue Gemeinde fand und auch das fünfte der Geschwister geboren wurde. Die Wiener Zeit endete 1935, als die Familie, mit nun fünf Kindern nach Dresden übersiedelte. Dort wurde 1937 ein weiterer Sohn geboren. Dresden umrahmte seine Kindheit und Jugendzeit. Hier wurde er 1939 in der Rudolf-Steiner-Schule eingeschult, die er bis zur Verbotszeit 1941 besuchte.

Prägende Erlebnisse seiner Kindheit waren für ihn die wohl zehn Aufenthalte auf dem Schloss Großböhla mit einem Hofgut, wo er erstmalig mit der Landwirtschaft in Berührung kam, und die sicher bei seiner späteren Berufswahl mitgewirkt haben.

 

Die Bombardierung Dresdens am 14./15. Februar 1945 und die näherrückende Rote Armee ließ die Mutter mit den Kindern die Stadt verlassen. Über Oberschwaben erreichte die Familie schließlich das großväterliche Gut Husum in der Nähe von Jever in Ostfriesland.

1946 wurde Trauger Groh als Gastschüler in die Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart eingeschult, wo er 1952 sein Abitur machte. Alle Ferien jedoch verbrachte er stets auf Gut Husum.

Wieder zu Hause stand Trauger Groh vor der Frage seiner weiteren Ausbildung. Landwirtschaft kam nicht in Frage, war doch der Hof seines Großvaters in der Erbfolge an seinen älteren Bruder Martin Johannes gefallen.

Traugers Interesse galt immer sozialen und ökonomischen Fragen. So beschloss er, in Göttingen Jura und Betriebswirtschaft zu belegen und merkte bald, dass er hier keine Antworten auf seine Fragen erhielt. Er wechselte die Studienfächer und wählte Anglistik, Slawistik und Osteuropäische Geschichte mit dem Ziel, sich zum Lehramt zu befähigen.

Nach drei Semestern Studium, zuletzt in Berlin, kehrte Trauger Groh auf das Gut Husum zurück, übernahm dort vielfältige landwirtschaftliche Arbeiten und wurde 1954 von seinem Bruder Martin Johannes gebeten, die Führung des Gutes zu übernehmen, da dieser mit der Verwaltung der zum Gut gehörenden Molkereien völlig ausgelastet war. So wurde Trauger Groh mit 23 Jahren selbständiger Landwirt auf 60 Hektar Land.

Das Gut Husum lag unmittelbar benachbart zum Fliegerhorst Upjever der Bundesluftwaffe, die 1964 begann, dort Starfighter und später Tornado Kampfjets zu stationieren. Das Leben auf Gut Husum wurde mehr und mehr durch die Lärmbelastung unmöglich.

 In den 60er Jahren wurde es immer deutlicher, dass der isolierte biologisch-dynamische Hof als Familienbetrieb ohne Nebengewerbe keine Zukunft hat. Es galt den Koberwitzer Impuls, der so umfassend wichtig für unsere Kultur ist, mit neuen Sozialformen zu verbinden. Immer wieder stand das Thema: „Kulturstätten auf landwirtschaftlicher Grundlage" in einem Kreis von Landwirten und Nicht-Landwirten um Dr. Remer zur Debatte. Um hier etwas Neues zu entwickeln, bedarf es der Zusammenarbeit von Menschen. Drei Schritte wurden bezeichnet für diese neue Landwirtschaft:

·      Verwandeln des Bodeneigentums in langfristiges Nutzungsrecht.

·      Verwandeln des Lohnverhältnisses in partnerschaftliche Zusammenarbeit von Selbständigen.

·      Öffnung der Höfe für pädagogische, sozialtherapeutische und geschäftliche Aktivitäten.

Der Verein für Forschung, Fortbildung und soziale Fürsorge auf den Lande e.V. (FFF) wurde gegründet. Mit seinem Programm wurde versucht, praktische Beispiele zu entwickeln.

 

Ein erstes Projekt war Altefeld in Hessen, das sich aber aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten und der Vergabe an Flüchtlingsfamilien zerschlug. Zurückblickend musste Trauger Groh erkennen, dass es auch sozial nicht verkraftbar gewesen wäre, vier Bauernfamilien zur einvernehmlichen Zusammenarbeit auf 400 Hektar zu bewegen..

Einer der im Projekt beteiligten Bauern, Carl-August Loss aus Fuhlenhagen, östlich von Hamburg, richtete seine Gedanken darauf, einen Gemeinschaftsbetrieb auf gemeinnütziger Grundlage auf seinem eigenen 85 Hektar großen, biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betrieb einzurichten. Dieser Entschluss verband sich mit der Frage an Trauger Groh, ob dieser zu einer partnerschaftlichen Bewirtschaftung des Hofes bereit sei.

Der alleinige Besitzanspruch auf den Hof stand jedoch einer partnerschaftlichen Bewirtschaftung entgegen. Da entschlossen sich Carl August Loss und seine Frau Heiloh, ihren Hof einer gemeinnützigen Gesellschaft in Form einer Schenkung zu übergeben, die den Partnern ein unbefristetes Nutzungsrecht einräumte.

Dies wurde von der Landwirtschaftsbehörde untersagt, und die Beteiligten landeten vor Gericht. Das Verfahren bescherte ihnen in den nächsten drei Jahren Kosten in Höhe von einer Viertel Million DM, bevor sich diese ungewöhnliche Schenkung durchsetzen konnte. Das Ergebnis war ein von drei Landwirten partnerschaftlich bearbeiteter Hof, auf dem das Risiko geteilt wurde.

Mit Wilhelm-Ernst Barkhoff (1916-1994), dem erfindungsreichen Sozialgestalter und Gründer der Gemeinschaftsbank in Bochum und Vater des anthroposophischen Bankwesens schlechthin, arbeiteten sie später in den siebziger Jahren ein vertiefendes Konzept aus; daraus entstand die noch heute existierende Landbauforschungsgesellschaft Fuhlenhagen.

 

·      Freier Boden,

·      die Abschaffung des Lohnverhältnisses und

·      die Öffnung des Hofes für andere Menschen

gehörten von Anfang an zu ihren drei Grundprinzipien. Mit Wilhelm-Ernst Barkhoff kam nun die Landwirtschaftsgemeinschaft hinzu, die die Liquidität des Hofes über die Gemeinschaftsbank sicherte. Außerdem entstand das Modell der Defizitdeckung durch die Mitglieder der Landwirtschaftsgemeinschaft.

 

Ein Neubau wurde außerhalb des Dorfes auf dem Buschberg errichtet.

1973 begann Trauger Grohs Ehefrau Gisela, die er 1958 geheiratet und mit der er vier Töchter hatte, die sozialtherapeutische Arbeit auf dem Buschberghof. Die Ehe wurde nach zwei Jahren Trennung 1983 geschieden.

Trauger Groh war vorwiegend verantwortlich für die Milchviehherde und die Milchverarbeitung, Carl-August Loss für den Ackerbau und für Mühle und Hofbäckerei. Familie Lehmann begann den Gemüsebau.

Durch die Hereinnahme von Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte in die Wertschöpfung des Buschberghofes konnte die Ertragslage wesentlich verbessert werden.

 

Zunehmend wurde Trauger Groh eingebunden in die Arbeit der „Bäuerlichen Gesellschaft Nordwestdeutschland“, dem Zusammenschluss der biologisch-dynamischen Bauern in dieser Region. Und er war als Berater und Redner gefragt, die Reisen führten ihn durch ganz Europa, Afrika, Nordamerika und Russland.

Auch die Landwirtschaftliche Sektion der Freien Hochschule am Goetheanum in Dornach forderte ihn zur Mitarbeit auf, wo er im Sektionskreis und Vertreterkreis mitwirkte und dort auch auf den Tagungen die ersten Pioniere der biologisch-dynamischen Landwirtschaft kennenlernte.

 

1979 wirkte Trauger Groh mit in dem dänischen Film „Muldflugden“ („Verwehte Erde“), dessen Text er verfasste und als einer der Hauptdarsteller auftritt. Dieser Film, dessen englische Fassung als „Vanishing Soil“ vorliegt und auf drastische Weise die Unterschiede zwischen industrieller und biologischer Landwirtschaft aufzeigt, begleitete ihn dann auf seinen vielen Vortragsreisen.

 

1983 schied Trauger Groh aus der Betriebsgemeinschaft Buschberghof aus, nachdem er die vorhergehenden Jahre schon vielfach andere Aufgaben übernommen hatte.

Auf einer Vortragsreise 1980 in den USA gelangte er auch in das Camphill-Dorf Copake und traf dort auf ein ungewöhnliches Modell zur Unterstützung der Landwirtschaft. Der dortige Landwirt erzählte ihm, dass er immer so frustriert gewesen sei, da die Haushalte des Dorfes mit ihren Einkäufe auf dem Hof dessen Kosten nicht deckten, insbesondere nicht die Kosten von notwendigen Investitionen. Auf seine Initiative hin habe man sich dann darauf geeinigt, dass dem Hof pro Kopf der Dorfbewohner eine bestimmte Summe im Monat bezahlt wurde. 
Trauger Groh: „Als er mir das erzählte, hielt er hier kurz inne und meinte dann zu mir: ,Und seitdem wächst es hier viel besser.‘ Er war auf einmal frei, das Richtige zu tun.“ Dies war ein Schlüsselerlebnis.

 

1985 siedelte Trauger Groh nach Wilton/New Hampshire in die USA über und heiratete Alice Bennett. Ein Sohn und eine Tochter stammen aus dieser Ehe. Er gründete kurze Zeit später die Temple-Wilton Community Farm zusammen mit Lincoln Geiger und Anthony Graham. In der Waldorfschule von Wilton hatte sich ein Kreis von interessierten Familien gebildet, die den Neuankömmling baten, biologisch-dynamisches Gemüse für sie anzubauen.


Trauger Groh hatte damals geantwortet: „Ich kann das für euch nicht anbauen; der Boden ist hier so schlecht. Ich weiß nicht, was da wachsen kann. Außerdem kann ich mich nicht auf euch verlassen, denn wenn ihr keine Zeit habt, geht ihr in den Supermarkt und ich sitze hier mit meinem Erzeugnissen.“

Die Beteiligten haben sich  dann mehrere Male getroffen und nach einigen Sitzungen konnte Trauger Groh ihnen sagen, was das erste Jahr kosten würde. „Wenn ihr mir diese Summe garantieren könnt, fange ich an“, war sein Vorschlag. Das war 1986 der Startschuss für die Temple-Wilton Community Farm und somit für die „Community Supported Agriculture“-Bewegung weltweit.

 

Trauger Groh hat zusammen mit Steven McFadden das Buch „Farms of Tomorrow“ geschrieben, welches 1990 erschienen ist und 1997 als „Farms of Tomorrow Revisited“ neu aufgelegt wurde. Dieses Buch wurde ins Russische, Japanische, Koreanische, Chinesische, und Dänische übersetzt. 2013 erschien die deutsche Übersetzung im Verlag Lebendige Erde. Es hat viel zur Verbreitung der CSA-Idee weltweit beigetragen.

 

Der Buschberghof hat Trauger Grohs Impuls 1988 übernommen und wurde in Deutschland Vorreiter der „Solidarischen Landwirtschaft“ mit jetzt 109 Betrieben und einer gleich großen Zahl von Initiativen.

 

Trauger Grohs Ideal, „Der Hof der Zukunft“ kann dann als Basis für drei verschiedene Ziele dienen:

• Ein geistig-erzieherisches Ziel: Die Kräfte, die in der Natur und im Hoforganismus wirken, immer besser zu verstehen.

• Ein soziales Ziel: Jedem Menschen, der es möchte, Zugang zu fruchtbarem Boden zu verschaffen, als Mittel, seinen Lebensunterhalt zu sichern.

• Ein wirtschaftliches Ziel: Eine in ihrer Vielfalt ständig wachsende Produktion zu haben, die den Bedürfnissen der örtlichen Gemeinschaft angepasst ist, während der Import von Energie und fremden Stoffen in den Hof immer mehr gegen Null strebt.


Dieses letzte Ziel, das erreicht werden kann und muss, ist die Grundlage eines fortdauernden menschlichen Lebens auf der Erde und des Schutzes unserer Umwelt.

 

Trauger Groh war stolz darauf, dass er in seiner lebenslangen Tätigkeit als Landwirt nie einen Quadratmeter Boden besessen hat.

 

Trauger Groh starb am 27. Juli 2016 auf dem Hof in Wilton/NH.

 

 

Solawi gegen Rechts