Vision und Grundprinzipien

Solidarische Landwirtschaft (Solawi) bedeutet Vielfalt. Jede Solawi zeigt sich in ihrer ganz eigenen Individualität, da ihre Menschen, Tiere, Böden und Pflanzen einzigartig sind. Diese Gegebenheiten bedeuten Stärke und Herausforderung zugleich.
Parallel zum Solawi-Konzept existiert eine Vielzahl anderer landwirtschaftlicher Konzepte, in denen Verbraucher*innen und Produzent*innen regionaler, saisonaler Lebensmittel in Beziehung zueinander treten (bspw. Abokisten, Marktschwärmer, Vertragsanbau) oder Verbraucher*innen in die Eigenverantwortung der Lebensmittelerzeugung gehen (bspw. Gemeinschaftsgärten).

Zur Unterscheidung von diesen Konzepten sowie zur Identitätsfindung der einzelnen Solawis hat das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V. in einem partizipativen Prozess die Definition von Charakteristika einer Solidarischen Landwirtschaft entwickelt. Diese spiegeln sich in der folgend formulierten Vision für die Solidarische Landwirtschaft als Bewegung sowie in der Benennung von Grundprinzipien für die einzelne Solawi wider. Die Grundprinzipien dienen hierbei als Orientierung und Hilfestellung, wobei das Prinzip „Gemeinschaftliche Finanzierung und das Teilen der Ernte“ als Leitgedanke und Kernstück des Konzeptes zu verstehen ist.

Das folgende Dokument stellt einerseits das Ergebnis des bisherigen Entstehungsprozesses dar und dient gleichzeitig als Basis zur weiteren Vertiefung der Frage „Was ist Solawi?“.

Unsere Vision ist eine gemeinschaftsgetragene, vielfältige, bedarfsgerecht entlohnte, ökologische, und regionale Landwirtschaft, in der die Menschen unmittelbare Verantwortung für ihre lokale Grundversorgung übernehmen. Die Solidarische Landwirtschaft ermöglicht eine krisenfeste und ökonomisch tragfähige Erzeugung von gesunden Nahrungsmitteln. Sie bietet eine Zukunftsperspektive sowohl für bestehende bäuerliche Betriebe und gemeinschaftsgetragene Unternehmen als auch auch für Betriebsneugründungen. Damit leistet Solidarische Landwirtschaft einen wertvollen Beitrag zu echter Ernährungssouveränität.

Solidarische Landwirtschaften produzieren ihre Lebensmittel für die Bedarfe der beteiligten Menschen unter transparenten und fairen Bedingungen. Die kostendeckende Finanzierung der landwirtschaftlichen Erzeugung und verbindliche Abnahme der Erzeugnisse durch eine Gemeinschaft sorgen für eine Teilung von Verantwortung und Risiko und erhöhen die Versorgungssicherheit. Hierdurch entstehen Unabhängigkeit vom Markt und neue Entwicklungsmöglichkeiten.

Jede Solidarische Landwirtschaft ist einzigartig so wie ihre Menschen. Die Strukturen sind überschaubar und ermöglichen eine persönliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. So entstehen gegenseitige Wertschätzung, Respekt und vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für die Verbraucher*innen. Auf Grundlage der Grundprinzipien organisieren sich Solidarische Landwirtschaften eigenständig nach den Interessen und Bedürfnissen der Beteiligten. Hieraus entstehen lebendige und dynamische Lernprozesse, die helfen, ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Miteinander zu gestalten.

Somit ist Solidarische Landwirtschaft ein Antrieb für den gesellschaftlichen Wandel und wird zu einer Schlüsselfigur im sozial-ökologischen Transformationsprozess!

Gemeinschaftliche Finanzierung der Landwirtschaft und Teilen der Ernte

Die Verbraucher*innengemeinschaft trägt die Kosten der Landwirtschaft als Ganzes verbindlich für einen vorab definierten Zeitraum. Hierdurch verliert das einzelne Produkt seinen Preis und Verbraucher*innen und Erzeuger*innen teilen das Risiko der Produktion. Eine langfristige Bindung zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen wird angestrebt.
Der Finanzhaushalt der Solidarischen Landwirtschaft wird kostendeckend kalkuliert, eine Gewinnmaximierung ausgeschlossen.
Die erzeugten Lebensmittel werden zwischen den Verbraucher*innen geteilt. Die Kosten können auch innerhalb der Verbraucher*innengemeinschaft solidarisch finanziert werden, etwa in Bieterunden.

Wertschätzung und Anerkennung

Durch diese Art der Kooperation entsteht eine Basis für die Wertschätzung und Anerkennung aller Beteiligten. Die Arbeit der Erzeuger*innen wird gewürdigt und ihre Erfahrungen und Entscheidungen in der landwirtschaftlichen Erzeugung bilden die Basis der Zusammenarbeit.

Direkte Beziehungen und Einbindung von Verbraucher*innen

Erzeuger*innen und Verbraucher*innen bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft, die unabhängig dritter Handelspartner*innen agiert. Direkte Beziehungen zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen, sowie Verbraucher*innen untereinander werden durch gemeinsame Aktivitäten, Veranstaltungen und/oder Begegnungsräume ermöglicht. Dies fördert die gegenseitige Wahrnehmung, unterstützt den Informationsfluss und ermöglicht lebendigen Austausch. Verbraucher*innen können auch aktiv in den Produktions- und Organisationsprozess eingebunden sein.

Transparenz über Jahresbudget und Anbaumethoden

Alle Kosten der landwirtschaftlichen Erzeugung, insbesondere auch Lohnansätze, Kosten für Investitionen und Rücklagen werden gegenüber der Verbraucher*innengemeinschaft transparent gemacht. Wenn der Betrieb nur zu Teilen solidarisch wirtschaftet, wird dies den Verbraucher*innen dargestellt. Dies gilt auch für die landwirtschaftlichen Anbaumethoden, verwendete Betriebsmittel sowie ggf. Zukäufe.

Zukunftsfähige landwirtschaftliche Praxis

Die Landwirtschaft trägt aktiv zum Erhalt der biologischen Vielfalt, zum Humusaufbau wie auch Boden- und Gewässerschutz bei. Weder gentechnisch verändertes Saatgut, noch gentechnisch veränderte Futtermittel werden eingesetzt. Die Produktion und Verarbeitung der Lebensmittel erfolgen weitgehend regional.

Soziale Absicherung und gute Arbeitsbedingungen

Die finanzielle und soziale Absicherung der Erzeuger*innen wird gewährleistet. Dies umfasst insbesondere eine bedarfsgerechte Entlohnung und die Altersvorsorge. Arbeitsrechtliche Standards und Arbeitsschutz werden eingehalten.

Toleranz und Weltoffenheit

Alle Beteiligten verstehen sich als Zusammenschluss von Menschen, die sich dem Gedanken des Humanismus, der Völkerverständigung, dem Internationalismus und den Menschenrechten verbunden fühlen. Sie dulden keine rassistischen, fremdenfeindlichen und andere diskriminierenden oder menschenverachtenden Bestrebungen. Dem widersprechende Handlungen sowie ein Engagement in Parteien und Organisationen, die dazu im Widerspruch stehen, sind mit der Teilhabe an einer Solidarischen Landwirtschaft nicht vereinbar.

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