Das Bieterrundenverfahren

Die Bieterrunde ist ein Verfahren, um das Jahresbudget (Kosten der landwirtschaftlichen Produktion bzw. der Solawi) gemeinschaftlich zu decken und dabei die unterschiedlichen ökonomischen Verhältnisse bzw. finanziellen Möglichkeiten der Mitglieder zu berücksichtigen. Mit der Abgabe eines Gebotes sagt jedes Mitglied zu sich in Höhe des gebotenen Betrages am Jahresbudget der Solawi zu beteiligen. Das abgegebene Gebot entspricht also einer Finanzierungszusage für ein ganzes Jahr bzw. eine Saison. Eine monatliche Abzahlung ist üblich. Für die Durchführung einer Bieterrunde gibt es verschiedene Varianten: 

1. freies Gebot/ohne Richtwert
Mit dem Wissen über die Höhe des benötigten Gesamtbudgets können die Mitglieder die Höhe ihres Gebotes frei wählen. 

2. mit Richtwert
Vor Beginn der Bieterrunde wird die Gesamtbudgetsumme durch die Anzahl der Mitglieder bzw. der zu vergebenen Ernteanteile geteilt. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Mittelwert. Dieser Wert kann als Richtwert angenommen werden. Jetzt wissen alle, was von jedem gezahlt werden müsste, damit das Budget gedeckt ist. Nun kann jedes Mitglied seiner finanziellen Situation entsprechend ein Gebot abgeben: entweder in der Höhe des Richtwertes, über oder unter dem Richtwert. Man kann auch den Richtwert etwas höher ansetzen als den errechneten Betrag, um einen finanziellen Spielraum für diejenigen zu schaffen, die weniger zahlen können. Kommt das Budget in der ersten Runde nicht zusammen, ist eine zweite Gebotsrunde erforderlich. Wenn auch danach keine Deckung zustande kommt, sollte überlegt werden, ob das Budget noch einmal überarbeitet bzw. der Fehlbetrag durch eine einheitliche Aufstockung der Gebote aufgebracht werden kann. Modellrechnung bei 1000 € Unterdeckung: 1000 € geteilt durch 50 Mitglieder ==> Jede*r zahlt noch 20 € mehr Bei Überbietung des Jahresbudgets kann die Gruppe überlegen z.B. die Löhne aufzustocken oder was der Solawi sonst noch gut tun würde mit dem Mehrbetrag zu realisieren. 

3. gestaffelte Richtwerte
Der Richtwert für ein Mitglied/ Ernteanteil wird wie bei 2. ermittelt. Dann wird das aktuelle nationale statistische Nettoeinkommen eines/r Angestellten genommen und der prozentuale Anteil des Richtwerts daran festgestellt. Es wird eine Tabelle erstellt, die die verschiedenen Nettoeinkommen und deren prozentuale Richtwerte zeigt. So kann jede/r sehen, wie hoch sein geldlicher Beitrag in Abhängigkeit des Nettoeinkommens wäre. Damit geht es in die Bieterrunde.

4. Ampelverfahren
Um mehrere Gebotsrunden zu vermeiden kann jedes Mitglied 3 unterschiedliche Gebote abgeben: Grünes-Gebot: „dieser Beitrag ist für mich gut aufzubringen“ Gelbes-Gebot: „dieser Beitrag ist schon etwas schwieriger, aber noch machbar“ Rotes-Gebot: „absolute Grenze für meinen Beitrag“ Zuerst werden alle „Grünen“ Gebote zusammengerechnet, falls dies nicht für die Budgetdeckung ausreicht, alle „Gelben“ Gebote und erst dann alle „Roten“. Die Bieterrunde kann sowohl schriftlich auf Papier erfolgen, als auch über ein digitales Bieterformular z.B. über www.goo.gl/forms/  

Eine Software für Online-Bieterrunden wird gerade entwickelt. Für mehr Infos dazu, bitte Kontakt mit dem Netzwerk aufnehmen. 

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