Bericht von der Frühjahrstagung

20.02.2017

Neue Wege gehen- Solawi als Teil gesellschaftlicher Transformation

Unter diesem Motto stand vom 10.- 12. Februar die 6. Frühjahrstagung des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft.

120 Menschen machten sich auf den Weg nach Steyerberg in Niedersachsen, um gemeinsam zu erkunden, was das „Neue“ am Konzept der Solidarischen Landwirtschaft ist und welches Potential es hat positiv auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu wirken.

Vorfinanzierung der Betriebskosten, Transparente Budegtplanung, Bieterverfahren, freie Entnahme, Mitwirkung der Verbraucher*innen: Solawi birgt für viele Bäuer*innen und Bauern Chancen und Herhausforderungen zugleich.Chancen  den Betrieb zu entwickeln, Wertschätzung zu erfahren und die Existenz des Betriebes unabhängig vom Marktgeschehen zu sichern. Aber es bedeutet auch, sich auf Veränderungen einzulassen, das eigene Tun und die Bedürfnisse zu Kommunizieren und Neues zu wagen.

Die meisten Verbraucher*innen engagieren und beteiligen sich an Solidarischen Landwirtschaften, weil sie dieses Modell als eine Lösung für viele Missstände im Nahrungsmittelsektor ansehen.

Schutz der natürlichen Ressourcen, ökologische und ethische Aspekte spielen dabei eine große Rolle, ebenso das Bedürfnis nach sinnerfülltem Tun.

Viele der Missstände haben ihre Ursache in der Art und Weise wie unser Wirtschaftssystem funktioniert, dass Lebensmittel als Waren gesehen werden für die der „freie“ Markt den Preis bestimmt.

Am Freitagabend stellte Gunter Kramp in seinem Vortrag das Motto der Tagung vor und leitete aus der konkreten Bedrohung unserer Lebensgrundlagen, die Notwendigkeit her eine andere Art des Wirtschaftens zu entwickeln. Besonders sollten dabei die allgemeinen globalen Güter (Commons), zu denen auch die Luft, das Wasser und die Bodenfruchtbarkeit gehören berücksichtigt werden. Solidarische Landwirtschaften können als Experimentier- und Lernfelder für eine bedürfnisorientierte Ökonomie dienen, die Verantwortung für die Erhaltung der Commons übernimmt.

Am Samstag ging es bei Wolfgang Stränz um eine veränderte Sicht auf Recht und Organisationsformen. Sich zu fragen, was der andere braucht und bei Problemen gemeinsam nach Lösungen zu suchen sind Aspekte eines neuen Verständnisses von Recht, dass nicht auf  Schuld und Anspruch, sondern auf Vertrauen und Verantwortung beruht.

Im Anschluss vermittelte die Sprechwissenschaftlerin Sandra Marx Handwerkszeug für gelingende Kommunikation in Gruppen. Aus eigener Erfahrung beim Aufbau einer Solawi konnte sie sehr viele praktische Hinweise geben, wie Vertrauen und Verantwortungsbereitschaft gefördert werden können.

Wie man auch neue Wege gehen kann, um die Bodenfruchtbarkeit im Gemüse- und Ackerbau durch Bodenbedeckung zu erhalten und zu erhöhen schilderte der Agrarwirt und Berater Jan-Henrik Cropp und stellte Anbausysteme zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit durch Bodenbedeckung im Gemüsemarktfruchtanbau und Ackerbau vor.

Norbert Berthold von der Akademie für Solidarische Ökonomie, stellte in seinem Workshop verschiedene „Transformationspfade“ für ein zukünftiges nachhaltiges Wirtschaften vor. Zusammen mit den Teilnehmenden wurde diskutiert, welche Elemente dafür wichtig sind.

Solawi hat den Anspruch auch im sozialen Miteinander „neue Wege“ zu beschreiten.  Im Workshop von Michaela Kaiser und Michael Pörtner über „Possibility Management“  ging es darum, wie wir aus einer Kultur der Konkurrenz und des Egoismus kommend, fähig werden kooperativ und vertrauensvoll zu werden und zu handeln. Nichts weniger, als das Arbeiten an den eigenen, oft unbewussten Emotionen und Glaubensätzen, ist dafür notwendig.

Mit der Openspace- Methode konnten die Teilnehmer*innen sich im weiteren Verlauf des Wochenendes zu insgesamt 12 verschiedenen Themen austauschen, die sie selbst mitgebracht hatten. Darunter gab es ein solidarisches Kaffee-Projekt mit Mexiko, Diskussionsrunden zu gemeinschaftlich getragener Produktion auch in Non-Food-Bereichen und Solidarischer Ökonomie, Vorstellung von Biomeilerbau und Methoden zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Zur konkreten Unterstützung von Solawis wurde sich über Organisationsfragen, Saatgutgewinnung, sowie IT-Tools und Webanwendungen für Solawis ausgetauscht.

Der Seminarort Lebensgarten in Steyerberg hatte selbst auch noch einiges Interessantes zu bieten, unter Anderem gab es eine Führung über den Permakultur- Park, der seit einigen Jahren hier am entstehen ist.

Von der gesellschaftlichen Transformationskraft von Solidarischer Landwirtschaft konnte man auf der Tagung einen Hauch erahnen. Für die Frage, wo und wie wir diesen Wandel konkret gestalten können, konnten die Teilnehmer*innen viele neue Impulse mit nach Hause nehmen.

Die nächste Tagung des Netzwerks und die Mitgliederhauptversammlung ist für den 10.-12.11.2017 in der Nähe von Kassel geplant.