Allgemeines zu den Netzwerktreffen

Im Frühling und im Herbst findet jeweils ein Netzwerktreffen statt, in welchem alle Mitglieder und interessierte Menschen eingeladen sind, ihre Erfahrungen auszutauschen, gemeinsam in Arbeitsgruppen an aktuellen Fragestellungen zu arbeiten und sich in die strukturelle Arbeit des Netzwerks einzubringen.

Das Netzwerktreffen richtet sich insbesondere an Menschen, die bereits an einer Solidarischen Landwirtschaft teilhaben oder eine Solawi gründen möchten. Doch auch sonstige an der Solidarischen Landwirtschaft Interessierte sind herzlich willkommen und werden bereichert abreisen!

Termine

  • 16. - 18.11.2018 Herbsttagung des Solawi-Netzwerks bei Kassel im Tagungshaus Lebensbogen - Anmeldung ab September
  • 08. - 10.02.2019 Frühjahrstagung des Solawi-Netzwerks in der Nähe von Craislsheim (Süddeutschland) im Tagungshaus Tempelhof

Vergangene Treffen

Wertschätzung leben! 

Das erste Mal „im Westen“ mit der Frühjahrstagung des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft und dann gleich am Karnevalswochenende: In der Landjugendakademie Altenkirchen im Westerwald, unweit vom Kölner Karnevalsgeschehen, trafen sich vom 9.-11. Februar 115 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet um sich zu dem Motto „Wertschätzung leben!“ auszutauschen, die Solawi-Bewegung weiter zu entwickeln und - wie es sich zu dieser Zeit gehört - um miteinander Spaß zu haben.

Freitag Abend ging es gleich in die Vollen: „Wir sind in der Solawi angetreten mit der Vision der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern den Wert zu geben, den sie verdient! Diese Menschen - aber auch die Höfe als Ganzes - brauchen ausreichend Geld, Zeit und echte Unterstützung durch die Gemeinschaft. Auch, oder gerade weil sie ihre Arbeit lieben.“ formulierte es Gabriel Erben im Themenimpuls. Wir stehen alle in der Verantwortung! Und so sprachen wir in der großen Gruppe der Teilnehmenden darüber, was unsere Werte sind und darüber, was bedarfsgerechte Arbeitsbedingungen für Einzelne konkret heißt. Wir redeten darüber, wie Lohnhöhe, Selbstwirksamkeit und wertschätzendes Miteinander bei dem Thema eine Rolle spielen und zeigten offen, was es Betrieben schwer macht die Visionen zu leben, die sie haben.

Am Samstag fanden die in den Raum gestellten Fragen und Positionen eine Konkretisierung in vier Workshops am Vormittag und zahlreichen Open Spaces am Abend. Solawi-Praktiker*innen waren als Referent*innen eingeladen, um von ihren Ansätzen zu erzählen, wie sie gute Arbeitsbedingungen gestalten.

Da präsentierte sich zum Beispiel das Schweizer Projekt Ortoloco, in dem ein großer Teil der gärtnerischen Arbeit durch Mitglieder geleistet wird. Das beeindruckte viele der Tagungsteilnehmenden sehr, kennen etliche Solawis doch auch das Problem, nicht genügend Mitglieder auf den Acker zu bekommen. Die Solawi-Bäuerin Claudia Höps erzählte von der intensiven Kommunikationsarbeit auf ihrem Hof und stellte 11 praktische Punkte für eine gute Mitgliederkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit vor, ihr Rezept für eine gute Verbindung und unterstützende Zusammenarbeit zwischen Landwirt*innen und den Mitgliedern. Die Energie, die diese Arbeit der Kommunikation und der Mitgliederorganisation kostet, fliesse zurück, so die Botschaft der Referent*innen. Die Menschen wollen beitragen und die vielen verschiedensten Kompetenzen, die in einer Solawi-Gemeinschaft zusammen kommen, sind ein Schatz. Über die Beziehungen entstehen auch häufig kostengünstige oder sogar kostenfreie Möglichkeiten Aufgaben umzusetzen.

Die Schere zwischen dem Bedarf der Gärtner*innen und der Zahlungsbereitschaft der Mitglieder ist die zentrale Herausforderung, beim Aufstellen des Solawi-Haushaltes. Mit diesem Punkt setzte sich der Solawi-Berater Klaus Strüber in seinem Input auseinander. Ein Schlüssel zur Überwindung der Schere sei, in verbindener Art und Weise das Bewusstsein zu fördern, dass Solawi-Teilhabe nicht vergleichbar ist mit dem Einkauf von Lebensmitteln im Bio-Laden oder Supermarkt.

Karl Gieseke, Gärtner in einem Solawi-Kollektiv, gab den Impuls sich ausreichend Zeit zu nehmen für die Kommunikation im Teilzeitgärtner*innenteam. Er hat die Zuhörenden mit Beispielen zur Arbeitsorganisation dazu angeregt, die Arbeitstreffenzeit sehr effizient zu nutzen und mit Klarheit in jede Garten-Woche zu starten.

Die Auseinandersetzung mit Effizienz war auch Teil des Inputs von Solawi-Gärtner Urs Mauk, der vom Konzept „Market Gardening“ berichtete: intensiver Gemüseanbau auf kleiner Fläche mit Fokus auf Humusaufbau, hohem Ertrag und geringem Einsatz von Großtechnik. Im Profi-Market Gardening werde alles auf Effizienz hin optimiert. Jedoch sollte sich jeder Betrieb weiterhin individuell fragen: Was ist praktikabel für meinen Betrieb? Wieviel Handarbeit? Was passt zu uns? Vorgestellt wurden auch allerhand innovative Tools für ein effizientes Arbeiten im Anbau mit Namen wie PaperPotPlanter oder PinpointSeeder.

Doch nicht nur in den Workshops mit den Referent*innen wurde intensiv gearbeitet - auch in vielen Open Spaces wurden Nägel mit Köpfen gemacht und Dinge bewegt: Beispielsweise wurde ein Solawi Chor ins Leben gerufen, eine Gruppe hat den Startschuss für eine selbstorganisierte Solawi-Ausbildung gesetzt und ein Vorbereitungsteam für einen „Solawi-Wagen“ auf der „ Wir haben es satt“-Demo 2019 hat sich zusammengefunden. Es wurde das Thema „Wertschätzung und Arbeitsbedingungen“ auf der persönlichen Ebene von Selbstwert und Gefühlen erforscht, sich mit dem Thema „Rechte Tendenzen“ in der Solawi-Bewegung auseinandergesetzt, Regionalgruppen vernetzt und nicht zuletzt Samenbomben gebastelt - von den Kindern, die diesmal zahlreicher als sonst das bunte Bild bereichert haben .

Nach dem „Arbeiten“ wurde dann aus ein paar Ideen, ausreichend Begeisterung und einer großen Portion Freude am Unbekannten das Samstagsabendprogramm zusammen mit Allen zu einem großartigen gemeinsamen Event entwickelt. Ein paar Stunden wurde hierbei drauf verzichtet, über Arbeitsbedingungen zu diskutieren und stattdessen verschiedenen skurrilen und kunstvollen Beiträgen gelauscht, mitgemischt beim Solawi-Chor und den urkomischen Theaterimprovisationen. Jede*r konnte sein Plätzchen finden – auf der Tanzfläche, am Lagerfeuer oder irgendwo dazwischen.

Den Sonntag verbrachten wir wieder in der großen Gruppe. Im Fokus stand die Abrundung der Themensträngen durch Berichte, Aufstellungen im Raum und Informationen und Fragen zu der Struktur und den Entwicklungsprozessen in der Organisation des Solawi-Netzwerk.

Bei einem Dialogspaziergang zu zweit im frisch gefallenen Schnee konnte das Erlebte vom Wochenende schliesslich verdaut werden. Zum Abschied füllte sich der Raum noch einmal mit Wertschätzung. Welcher Reichtum!

       

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