01.09.2020 Aus dem Netzwerk

Resilienz von Solawis in Zeiten von Corona

Ergebnisse einer Umfrage des Netzwerks unter 82 Solawi- Betrieben

Seit Anfang März war auch Deutschland von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Die Vermeidung von Versorgungsengpässen war neben dem Seuchenschutz ein wichtiges Ziel staatlicher Maßnahmen. Aufgrund der Bedeutung für die Versorgung mit Lebensmitteln wurde die Landwirtschaft deshalb als systemrelevanter Sektor eingestuft. Die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 traten in Deutschland Mitte März in Kraft. Von diesen waren, wie alle landwirtschaftlichen Betriebe, auch die Solawis in Deutschland betroffen.

Auf Grund von langen und internationalen Lieferketten und teilweise hochkonzentrierten industrialisierten Verarbeitungsstrukturen stellen sich sich Fragen zur Anfälligkeit gegenüber Störungen der Lebensmittelversorgungskette, sowie zu Auswirkungen auf den Gesundheitsschutz und die Seuchenprophylaxe im landwirtschaftlichen Produktions- und Versorgungssystem. Insbesondere in den Bereichen der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelerzeugung, die in hohem Maß auf externe Saisonarbeitskräfte angewiesen ist und im Bereich der industriellen Fleischverarbeitung zeigten sich im Verlauf der Pandemie erhebliche Mängel der vorherrschenden Praxis.

Gleichzeitig ist die Solawi- Bewegung in Deutschland im internationalen Vergleich noch recht jung und viele Solawis verfügen noch über wenig Erfahrung, wie sich ihre Gemeinschaften in Krisensituationen verhalten. Die Pandemie-Situation, wie auch die verordneten Maßnahmen waren eine neue Herausforderung für die solidarisch wirtschaftenden Betriebe in Deutschland. Der Lockdown trat zudem zu einem Zeitpunkt ein, da die meisten Solawis in der Vorbereitung der Saison und der Frühjahrsbestellung waren. Das Netzwerk stellte zur Unterstützung der Betriebe zeitnah wichtige Informationen für Solawis zu Hygienemaßnahmen, Unterstützungsangeboten und digitalen Werkszeugen auf ihrer Webseite zur Verfügung.

Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft beinhaltet die lokale direkte Versorgung und das Mittragen von Unwägbarkeiten durch die Verbrauchergemeinschaft, damit die Produktion von Lebensmitteln und die Betriebe auf Dauer bestehen können. Dies ist was für die Solawi-Betriebe im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Produzent*innen ein erheblicher Vorteil in Krisenzeiten.Um einen Überblick über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Solawis zu bekommen veranlasste das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft im Juni 2020 eine online-Umfrage unter seinen Mitglieds-Betrieben. Über 80 Rückmeldungen gingen innerhalb einer Woche dazu ein.

Unsere Umfrage bestätigt, dass gerade in der Pandemie-Situation die soziale und wirtschaftliche Resilienz und die Attraktivität von lokalen Versorgungssystemen auf der Basis gegenseitiger Solidarität sehr hoch sein kann. Auch die unterschiedliche rechtliche Verfasstheit und diversen Organisationsformen ließen sehr verschiedene Anforderungen und Möglichkeiten der Betriebe im Umgang mit der Krise vermuten.

Ergebnisse:

Mitglieder:

  • Fast dreiviertel der Solawis konnten einen Anstieg der Anfragen nach einer Mitgliedschaft seit März verzeichnen. Bei nur 11% gingen die Anfragen zurück.

  • 35% der Solawis waren schon ausgebucht und konnten keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen.

  • Über die Hälfte der Solawis haben in dieser Zeit die Anzahl ihrer Mitglieder leicht oder deutlich erhöhen können.

Umfang der Produktion:

  • Die Anbaufläche ließ sich aber bei den meisten Solawis nicht erhöhen. Nur 13 % konnten diesen Schritt unternehmen.

Verteilung und Probleme mit Hygienemaßnahmen:

  • 70% der Solawis hatten keine Schwierigkeiten mit der Verteilung oder der Organisation und auch bei der Bewältigung der Arbeit gaben nur 8% an, dass es zu größeren Problemen kam.

Unterstützung durch Mitglieder:

  • Das Angebot der Mitglieder von Unterstützung hatte bei über 60 % der Solawis zugenommen. Bei 18 % blieb die Beteiligung gleich.

Weitere Ergebnisse:

Knapp die Hälfte der Solawis könnten noch weitere Mitglieder aufnehmen. Nur 8 % geben an, dass es Austritte auf Grund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihrer Mitglieder gab und über 80% glauben, dass ihre Mitglieder auch bei einer Rezession dabei bleiben.

Als Problem wurde angegeben, dass durch die Kontaktbeschränkungen die wichtigen Veranstaltungen, um das Kennenlernen und Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, ausgefallen sind. Einige Initiativen, die sich gerade in Gründung befanden, konnten nicht starten, da ihre Mitgliederversammlungen und Hofführungen ausgefallen sind.

Eine Solawi ist kurzerhand auf eine Online-Mitgliederversammlung und eine virtuelle Hofführung umgestiegen. Beides wurde sehr gut angenommen und sie konnten mit ihrem Projekt beginnen.

Die Auslegung, ob Solawis für die Versorgung „systemrelevant“ sind, wurde von verschiedenen Bundesländern und Behörden unterschiedlich ausgelegt. Vor allem die Vereins-Rechtsform wurde als Indiz dafür gesehen, dass es nicht in erster Linie um Lebensmittelproduktion gehen könne.

Auch auf der Seite des Netzwerks sind bisher keine Abmeldungen von Mitgliedsbetrieben eingegangen, die auf die Corona-Situation zurückzuführen wären.

Fazit:

Als Ergebnis der Umfrage kann man festhalten, dass die befragten Solawis mit großer Mehrheit relativ unbeeinflusst von den Corona-Maßnahmen und der Krisenstimmung in der Gesellschaft geblieben sind. Darin zeigt sich eine weitgehende Resilienz des Konzeptes Solidarische Landwirtschaft in dieser Situation. Das Wirtschaften in möglichst geschlossenen, überschaubaren Kreisläufen, die direkten Beziehungen zwischen den Erzeuger*innen und den Verbraucher*innen haben sich bis jetzt bewährt.

Positiv hervorgehoben wurde mehrfach auch der soziale und psychologische Effekt, in einer Krise einer Gemeinschaft anzugehören.

Zitat eines Solawi-Mitglieds: „Es gibt zwar nicht die Sicherheit, wann genau und wie viel genau ich von welchem Produkt erhalte, aber die Sicherheit, dass ich von meiner Solawi versorgt werde.““

 

 

 

 

 

 

 

 

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