Bericht vom 3. europäischen CSA Treffen in Ostrava (Tschechische Republik)

05.10.2016

Vom 16.-18. September trafen sich in Ostrava, einer Stadt im ehemaligen Steinkohlebergbau- und Stahlverarbeitungsgebiet im Osten der tschechischen Republik, 150 Menschen aus 20 Ländern Europas, von Italien bis Finnland, von Irland bis Georgien, um miteinander ihre Erfahrungen auszutauschen über den Stand und die Entwicklung der CSA-Bewegungen in den verschiedenen Ländern, ihres gemeinsamen Europas.
Allein schon der Ort der Veranstaltung war eindrucksvoll und symbolträchtig ausgewählt – ein mittlerweile stillgelegtes ehemaliges Steinkohlebergwerk und Stahlerzeugungskombinat das nun -umgebaut- als Ort für Kultur-, Kunst- und andere Veranstaltungen dient.
Um uns herum also die Ruinen der Industriegesellschaft, in denen wir diskutierten, wie nachhaltige, selbstorganisierte und solidarisch getragene Ernährungs- und Versorgungssysteme besser gestaltet werden, und wir die gemeinsame europäische CSA-Bewegung noch weiter festigen können.
Die CSA Bewegungen haben sich in den verschieden europäischen Ländern in den vergenenen fünf Jahren erheblich entwickelt. In vielen Ländern, wurden nicht nur neue Höfe gegründet sondern auch Netzwerke und Organisationen gefestigt, mit dem Ziel Informationen und Unterstützung für Höfe und Initiativen bereit zu stellen und die Modelle solidarisch getragener Landwirtschaft weiter zu befördern.
Das war auch ein wesentlicher Erfolg der besseren Organisierung auf der europäischen Ebene. Ein wichtiger Meilenstein für eine gemeinsames Verständnis und die europäische Vernetzung war dabei der gemeinsame Entwurf einer europäischen CSA-Deklaration, des "Common Ground", unserer "gemeinsamen Basis". Diese Erklärung wurde bei dem desen dritten Treffen der europäischen CSA-Bewegungen verabschiedet und von allen TeilnehmerInnen gebührend gefeiert.
Während der drei Tage wurde über die aktuellen Herausforderungen und den Stand der Bewegung in den unterschiedlichen Ländern sowie unsere gemeinsamen Ziele für die Zukunft gesprochen. Nach einem Rückblick auf den Entstehungsprozesses der Deklaration in den vergangenen drei Jahren im Plenum wurden u.a. die Ergebnisse der europäischen CSA Research-Group vorgestellt und die Erfarungen der Netzwerkentwicklung in den unterschiedlichen Ländern ausgetauscht. Ein weiteres wichtiges Thema war der Zugang zu Land, auch hier wurden erfolgreiche Modelle aus verschiedenen Ländern vorgestellt. Insbesondere die Erfolge des Modells "Terre de liens" aus Frankreich, das in den vergangenen Jahren die Bereitstelung von Land für neue und gefährdete bäuerliche Betriebe mit 53 Mio. € ermöglicht hat, waren äußerst beeindruckend und sind ein Best-practice Beispiel für ein sinnvolles Zusammenspiel von nationalen und lokalen Verwaltungen, privaten Institutionen und Kreditinstituten um (auch) neue Formen der bäuerlichen Landwirtschaft zu unterstützen und zu ermöglichen. In weiteren Workshops wurde besprochen, wie die Interessenvertretung auf den unterschiedlichen Ebenen von den lokalen Ernährungsräten, der nationalen und europäischen Ebene bis hin zur UN-Ebene weiter verbessert werden soll. Wichtige Ziele sind dabei die Interessenvertretung im Rahmen des Civil-Society-Mechanismus (CSM) der FAO und im Rahmen der kommenden GAP-Reform 2020 für eine Erhaltung und Stärkung unterschiedlicher Formen bäuerlicher Landwirtschaft, d.h. traditioneller, lokaler und solidarisch getragener Ernährungssysteme. Darüber hinaus wurden u.a. die Fragen diskutiert, wie Flüchtlinge und andere benachteiligte Menschen in lokale, solidarische Ernährungssysteme eingebunden werden können und wie auch die europäische Vernetzung und Organisierung nach Möglichkeiten nach dem Beitragsprinzip finanziert und so auf unabhängige und stabile Füße gestellt werden kann.
Zusammanfassend kann gesagt werden, dass das diesjährige, dritte europäische Treffen der CSA-Bewegungen ein weiterer wichtiger Schritt war auf dem Weg zu Stärkung und Verbreiterung der CSA-Bewegungen und für eine solidarische und bäuerliche Landwirtschaft.

Veikko Heintz

(hat für das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft teilgenommen)

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